Die Trachten-Polizei – was geht und was geht gar nicht?

Die Trachten-Polizei – was geht und was geht gar nicht?

Vor kurzem fand der  Kocherlball in München statt, es folgen Volksfeste, das Rosenheimer Herbstfest und letztlich die Wiesn. Die Tracht kommt also endlich wieder zu mehreren Großeinsätzen. Da stellt sich die Frage: was darf man und was nicht? Welche Tracht ist „okay“ und welche geht gar nicht? Was darf ich kombinieren und welche Outfit-Zusammenstellungen sollte ich lieber vermeiden?

Gleich einmal vorweg: ein eindeutiges Regelwerk gibt es nicht. Klar, da gibt es die „Turbo-Trachtler“, die auf hochgeschlossene Blusen, knöchellange Dirndl, Hut und Charivari schwören; die, die aufschreien, wenn Elemente verschiedener regionaler Trachten gemischt werden – und die mit Sicherheit immer sehr fesch, aber manchmal eben auch sehr konservativ aussehen.
Seit Jahren in Mode sind im Gegensatz zu den traditionellen Trachten die knallbunten, mit Pailletten und Perlen behangenen, mit durchsichtigen Spitzenschürzen versehenen Dirndl, die sportlichen Hemden mit Trachten-Touch und ausgeflippte Hüte mit Federn oder Blumenkränze aus Plastikblumen. Dazu werden Turnschuhe oder meterhohe High-Heels getragen, verrückter Schmuck kombiniert oder Shirts mit lustigen, bairischen Sprüchen aus dem Schrank gekramt.
Und dann gibt es noch die eisernen Verfechter der „Keine Tracht“-Kultur, die sich seit Jahrzehnten beständig und erfolgreich weigern, Tracht zu tragen; meist mit dem Kommentar „Die echten Münchner haben auch früher keine Tracht auf ihre Feste angezogen“.

Bei der Flut an neuen Kreationen fragt man sich also nun, mit welcher Tracht man sich auf den Festln sehen lassen kann. Im Großen und Ganzen vertrete ich die Meinung: jeder nach seiner Façon. Letztlich sollte Kleidung immer ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sein, die Schönheit der Person unterstreichen – und vor allem sollte man sehen, dass die Trägerin oder der Träger sich in ihren Klamotten wohl fühlen. Wer also unbedingt die haushohen Heels anziehen will, soll das tun. Wer gerne eine feine Schürze aus Spitze oder eine Bluse aus Chiffon trägt, auch. Wer zur Lederhose lieber ein Shirt als das vielgesehene rosa-karierte Hemd trägt, sieht damit keinesfalls bescheuert aus. Die Trachten, Designs und Kreationen sind so vielseitig und unterschiedlich wie wir Menschen. Warum also ein sinnfreies Regelwerk erfinden, das uns zu Stereotypen ohne eigenen Charakter machen könnte? Warum sich als Trachten-Polizei aufspielen und anderen damit die Freude an ihrem Outfit und Styling nehmen?
Nein – jeder sollte machen, was er möchte. Wir leben schließlich auch nicht mehr im vorletzten Jahrhundert – und genauso, wie die Mode sich weiterentwickelt, so entwickelt sich eben auch das Verständnis von Tracht weiter. Ich bin gerne ein moderner Trachtenträger. Ich kombiniere gerne Traditionelles und Neues. Das macht den Look neu, interessant und spannend – und vor allem individuell.

Für alle Neutrachtler sei aber dennoch eine kleine Warnung ausgesprochen: greift im Zweifelsfalle lieber zu klassischer Tracht (die derzeit wieder mehr in Mode kommt – und auch hier im Shop erhältlich ist) als zur Pfingstochsen-Kreation Marke „Juhu, ich sehe aus wie ein Knallbonbon“. Schräge Kommentare und Blicke erntet man immer noch im ultrakurzen Mini-Dirndl, den Turnschuhen zur Lederhose oder den Made-in-China Überwürfen, auf die ein Dirndloberteil oder eine Lederhose aufgedruckt sind. Und ich gebe zu: da werde sogar ich zur Trachten-Polizei: das geht nämlich trotz all des freiheitlichen Denkens überhaupt nicht. … oder doch?

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