Frühlingsfest – zwischen Teenies und Silikon-Dekolletés

Frühlingsfest – zwischen Teenies und Silikon-Dekolletés


Damit der Münchner in der Zeit zwischen einer Wiesn und der Nächsten nicht an Schlager-Unterbeschallung, Hendl-Unterernährung oder zu großem Durst leidet, findet im Frühling auf der Theresienwiese das Frühlingsfest – oder auch liebevoll unter den notorischen Wiesn-Süchtlingen „kleines Oktoberfest“ genannt – statt.


Das Frühlingsfest hatte mal einen ganz fürchterlichen Ruf – nicht ganz unberechtigt. Alle, die zur Vorjahreswiesn noch nicht im Alkoholkonsum-fähigen Alter waren, standen zum Frühlingsfest mit pubertärem Flauschbart und der absoluten Unfähigkeit, mit dem Inhalt einer Maß Bier vernünftig fertig zu werden, plötzlich auf dem Frühlingsfest auf der Bierbank. Der vor einigen Monaten noch coole Platz am Wiesn-Autoscooter (wo man sich in den jungen Jahren bereits den ersten Hörschaden holte, mit anderen „Coolen“ des grammatikalischen Tieffliegertums frönte und vielleicht mal an einem Noagerl schnuppern durfte) wurde in einigen, wenigen unschuldigen Monaten gegen einen Platz im Bierzelt eingetauscht.
Der Besuch des Frühlingfestes ähnelte also einem Abstecher ins Ikea-Kinderparadies – nur mit dem Unterschied, dass die Kinder bei Ikea sich nicht so oft in die Hosen machen und sich auch bei Weitem nicht so viel übergeben müssen. Und das mag etwas heißen!
Manchmal wünschte man sich die auf der Wiesn so gar nicht trinkfesten Japaner und Chinesen fast schon sehnsüchtig aufs Frühlingsfest, während man einen Teenie dabei beobachtete, wie er kopfüber, samt Maßkrug UND Freundin im Arm, von der Bierbank zielsicher unter den Biertisch knallte und dort den Rest des Abends mit dem Aufsammeln seiner Zähne beschäftigt war.
Draußen vor dem Zelt verhakten sich die Zahnspangen zweier Teenies beim alkoholisierten ähm, ja, nennen wir es „Küssen“, während Unmengen pubertärer Mädchen tränenüberströmt im Dreck saßen und einer Bierzeltliebe nachweinten. Ach, was wünschte man sich die gestandenen Mannsbilder in Lederhosen her, die in der Lage sind, trotz drei Maß Bier wie ein anständiger Mensch im STEHEN gegen die nächste Bierzelttür zu urinieren, am Biertisch nonverbal und halb schlafend tiefschürfende Gespräche über den Bierpreis führen und selbst im Vollrausch einen würdevollen Abgang mit drei doppelten Rittbergern hinlegen können. Aber nichts – das Frühlingsfest war bevölkert von Kids, die ihren Eltern wohl weißgemacht haben mussten, dass das Frühlingsfest eben NICHT so schlimm ist wie die Wiesn. Es war aber leider noch viel schlimmer!


In den letzten Jahren hat sich das Frühlingsfest verändert. Das mag an den immer mehr werdenden Pseudo-Trachtlern liegen, die es nicht erwarten können, ihre Silikonbusen möglichst bald wieder in ihr Dirndl zu pressen, an den Rolex-zur-Lederhosn-Trägern, die gerne mal wieder die 7.000€-Designer-Tracht ausführen wollen, und halt eben an allen als Schicki-Mickis getarnten Alkoholikern, denen mit immer neuen Trachtenfesten ein legitimer Grund fürs Blau-Sein offeriert wird. Hin oder her: auf dem Frühlingsfest tummelt sich nun endlich wieder die Münchner Schickeria und sabbert mit ihren aufgespritzten Lippen Bier und Hendl-Fetzen in sich hinein. Fraglich ist, was besser ist: die eingenässten Kinder mit bedenklichem Linksdrall oder die drallen Mitfünfziger mit ihren zum Kinderpopo aufgespritzten Gesichtern?!


Zu sehen gibt es auf dem Frühlingsfest also allemal etwas! Und bei aller Schwarzmalerei sei natürlich gesagt, dass es auf der „kleinen Wiesn“ auch durchaus richtig lustig werden kann. Für alle, die im Bierzelt in gemütlicher Runde versammelt sind, kann ich zum Beispiel das fröhliche Gesellschaftsratespiel „Helium-Luftballon oder Busen?“ empfehlen.


PS: Um sich von der Masse der Glitzer-Plüsch-Bommel-Dirndl-Fraktion erfreulich abzuheben, empfehlen wir zum Besuch des Frühlingsfestes eines unserer klassischen Dirndl – da wird das „Heute bin ich die schönste Frau auf dem Frühlingsfest“-Feeling gleich frei Haus mitgeliefert!

 
 
 
 
 

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